Elf Jahre lang, zwischen Sommer 1990 und November 2001, bearbeitete ein einziger Kriminalbeamter der King County Police die ungeklärte Green River-Mordserie. Ab und an trudelten neue Hinweise ein, denen Detective Tom Jensen akribisch aber ohne Erfolg nachging. Ansonsten widmete sich Jensen den Tausenden von Akten, die die Task Force angehäuft hatte. Jensen überprüfte die Spuren und Aussagen von Zeugen ein weiteres Mal. Er probierte andere Blickwinkel aus. Er schaute, ob die Kollegen vielleicht einen Ermittlungsansatz übersehen hatten. Ob ein Anhaltspunkt nicht bis zu Ende ermittelt wurde. Die Jahre vergingen, ohne dass sich eine heiße Spur ergab.

Das DNA-Profil

Wie Dave Reichert war auch das staatliche Kriminallabor seit den 1980ern seinem Wesen treu geblieben. Untersuchungen währten lange. Für die Bestimmung der DNA benötigte das Labor ein halbes Jahr. Am 10. September 2001 erreichte Tom Jensen schließlich ein Schreiben mit den ersten Resultaten. Als sich Jensen im Vorzimmer des Sheriffs einen offiziellen Termin geben ließ, wusste Reichert, dass irgendetwas in der Luft lag. Tom Jensen schneite ansonsten unangemeldet ins Büro herein. Er bat seine alte Weggefährtin Fae Brooks zu dem Treffen hinzu. Sie hatte es mittlerweile bis zum Chief gebracht.

Tom Jensen nahm wortlos gegenüber von den beiden Platz. Er reichte Dave Reichert ein Blatt Papier. Reichert studierte das Dokument. Der Titel lautete: »DNA-Profil«. Daneben stand der Name »Carol Christensen«. Die Grafik zeigt die DNA-Struktur des Spermas, das man seinerzeit bei ihr sicherte. Jensen drückte dem Sheriff einen zweiten Ausdruck in die Hand. »Marcia Chapman« war oben rechts vermerkt. Reichert legte die DNA-Profile nebeneinander. Absolut identisch. Der genetische Fingerabdruck stammte in diesem Fall aus dem Vaginalabstrich, den Doc Reay bei der Toten vorgenommen hatte. Es folgte ein drittes Blatt. »Opal Mills«. Wieder dieselbe DNA-Struktur. Zum Schluss legte Jensen eine vierte Seite neben die übrigen. »Green River Killer« stand dort in großen Druckbuchstaben geschrieben. Darunter erneut das gleiche DNA-Profil.

Reichert und Brooks blickten Jensen verblüfft an. Weihnachtsmann und Osterhase tanzten Ringelreihen. Heißt das, wir haben den Mistkerl endlich? Ein schmales Lächeln war die Antwort. Jensen hielt noch einen verschlossenen Briefumschlag in Händen, mit dem er sich entspannt auf den Daumen schlug. Der Umschlag enthielt den Namen des mutmaßlichen Täters. Ratet mal. Reichert konnte seine Neugier nicht länger zügeln: Ist es der Taxifahrer?

In einem Punkt behielt Reichert recht. Der Verdächtige war ein alter Bekannter der Task Force. Einer der vielen, die sie in der Mangel hatten und dennoch laufen lassen mussten. Reichert spürte das Adrenalin in die Adern schießen. Jetzt waren sie wieder voll im Spiel. Jensen sollte die alte Garde zusammentrommeln. Nun ja. Wer davon bisher nicht in Pension gegangen war und noch lebte. Und vergiss mir Matt Haney nicht, trug Reichert Jensen auf. Schaff mir Matt Haney bei.

Ein Mörder – aber auch ein Serienkiller?

20 Jahre nach Beginn der Mordserie verfing sich der Green River Killer in den Netzen der Polizei. Sie hatten es ja immer gewusst. Geduld war in diesem Fall gefragt. Dass sie den Täter nicht aufgrund solider Polizeiarbeit schnappten, sondern dem Fortschritt der Wissenschaft verdankten – geschenkt. Hauptsache, sie hatten den Mistkerl endlich aus dem Verkehr gezogen. Aber würden die Beweise auch vor einem Gericht ausreichen, um den Verdächtigen wegen aller Green-River-Morde zu verurteilen?

Denn nur bei zwei Opfern waren tatsächlich DNA-Spuren des Tatverdächtigen gesichert worden. Man fand im selben Zeitraum in unmittelbarer Nähe drei weitere Frauenleichen. Das war die gesamte Indizienkette, die die Polizei im November 2001 in Händen hielt. Wie sollten sie dem Verdächtigen die Morde an den vierzig übrigen Frauen nachweisen? Was war mit den Leichnamen der Vermissten, die sie bisher nicht finden konnten? Es war klar: Die Polizisten würden den Fall nur lösen können, wenn der Green River Killer redete. Aber Gary Ridgway schwieg eisern und plädierte auf unschuldig …

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Ein paar Textproben aus dem dritten Teil: